Samstag, 22. Mai 2010
Bildung bringt Not
Folgenden Text habe ich als Glosse für mein Fernstudium Journalistik verfasst. Leider hatte ich nur 2000 Zeichen Platz, sonst hätte ich mich noch viel weiter austoben können ;)

Seien wir doch ehrlich, keiner mag Bildung. Wer sie schon hat, fürchtet die wachsende Konkurrenz, wenn junges Blut aus den neuen Studiengängen kommt. Wer sie nicht hat, schimpft auf die eingebildeten Schnösel, die sich für was Besseres halten und einem die Jobs wegnehmen. Doch abgesehen von diesen sehr subjektiven Meinungen, ist es nicht auch objektiv schlecht, in diesen Zeiten der chaotischen Börsen und verwirrenden Politikern Menschen mit Geist in die Welt zu entlassen?

Menschen, die Übersicht über ihre Finanzen haben und begreifen, was an Derivaten schlecht ist, werden kein neues Geld in den maroden Finanzmarkt pumpen. Wie soll der sich da erholen? Bürger, die verstehen, dass man in der Not vielleicht etwas Geld auf die hohe Kante legen sollten, werden nicht dem schwächelnden Einzelhandel das Wenige vermachen, was die unsicheren Jobs im Kurzarbeits-Modus noch abwerfen. Und die Banken werden keine überteuerten Kredite mehr an Konsumenten mit glitzernden Augen verkaufen können, die mehr auf PS als IQ stehen.

Auch die Medien freuen sich über jeden Bürger, der sich den hohen Einschaltquoten ihrer Daily Soaps anschließt, um sich seine freie Zeit mit schlecht getarnten Kaufempfehlungen zu vertreiben. Würde das Volk sich dieser Tatsache bewusst, wieder wäre der Konsum gefährdet, die einzige Stütze, auf die unser Land noch bauen kann. Und geht es den Menschen selbst nicht sogar besser, wenn sie die Miseren nicht wahrnehmen, wenn sie nicht denken, es könnte einen besseren Weg geben, wenn sie nicht auf die Straßen gehen müssen? Gelebte Demokratie heißt doch auch, den nächsten Deutschen Superstar mitzubestimmen.

Am meisten profitieren jedoch die Politiker. Markige Sprüche, die nicht hinterfragt werden, lassen sich doch viel einfacher im Wahlkampf einsetzen, als durchdachte Strategien, die nicht den politischen Gegner, sondern die sozialen Probleme in Angriff nehmen. Und wer nicht weiß, dass die gewählten Vertreter sich um das Wohl des Volkes kümmern sollten, wird auch nicht merken, dass sich Kandidaten selbst zu Superpolitikern deklassieren. Und so haben einige der letzten gebildeten Spitzenpolitiker erkannt, dass Bildung nur die Not vergrößert. Sparen könne man von Kitas bis Unis - und im Hinterkopf war ihnen bestimmt schon klar, dass man dann zukünftig als Politiker noch weniger (Erklärungs-)Nöte hat.

Glosse - 2000 Zeichen



Samstag, 27. Juni 2009
Homo comparatus
Ist es nicht verwunderlich, wie sehr sich der Mensch durch Vergleiche definiert? Komparativ und Superlativ sind ihm die liebsten Formen von Adjektiven. Höher, schneller und weiter - so muss es sein. Und der werte Leser muss wie der Autor wohl zugeben: auch ich habe heute mal wieder verglichen.

Natürlich kann man es sich schön reden, indem der Blickwinkel des Wirtschaftlers eingenommen wird: Ohne das Streben nach mehr, gäbe es keine Entwicklung, keinen steigenden Profit und damit auch keinen wachsenden Wohlstand. Wirklich? Materiell mag er ja recht haben, aber wie sieht es mit der Seele aus?

In einem früheren Eintrag beschrieb ich schon das innere Loch im Menschen. Gefördert wird die Leere im Geist weiterhin durch zu viele Konsumgüter. Um nichts muss man sich kümmern, dreckige Arbeit kommt an den Otto-Normalverbraucher nicht heran und in freien Minuten (und oft genug auch dazwischen) wird jeder Denkprozess multimedial gestört.

Vergleichen ist aber auch selbst ein Zeichen der geistigen Verkümmerung. Menschen, denen es nur um ein "meiner ist größer als deiner" geht, sehen keinen Sinn darin, sich wirklich auf ihr gegenüber enzulassen. Ihr Fokus ist stets auf sich selbst gerichtet. Um alle zu überflügeln, gehen die wichtigen Dinge verloren: Einfühlungsvermögen und Verständnis, Zusammenhalt und Ehrlichkeit.

Ersteres bleibt bei dem Versuch zu Übertrumpfen auf der Strecke, weil sich viel mehr um die Demütigung des Anderen gesorgt wird, als um dessen Empfinden. Die logische Folge ist dann der Verlust des Verständnisses. Erstens sieht man in allem Konkurrenz und zweitens verliert man den Kontakt zu anderen Leben und damit jede Erfahrung mit möglichen anderen Denkstrukturen und Persönlichkeiten. Etwas wie Zusammenhalt lässt sich natürlich als weitere Folge gar nicht erdenken und die heutige Welt, bestehend aus zu vielen Singles, wird ein wenig erklärbarer.

Und wenn es dann tatsächlich mal einen gibt, der besser ist als man selbst, dann kann es sehr schnell passieren, dass Geschichten erlogen und erstunken werden, nur um sich weiterhin überlegen zu fühlen. Über Arroganz will ich hier noch gar kein Wort verlieren.

Nur ein einziger Vergleich sei erlaubt, und der auch nur unter Vorbehalt: mit einem früheren Ich. Heute bin ich klüger als früher und ich bin glücklicher.

Auch dieser Vergleich birgt eine versteckte Gefahr der Selbstzerstörung, die von zu vielen Menschen freimütig genutzt wird. Das Altern wird als Mangel erkannt, denn früher war man doch hübscher. Das soll nur ein Beispiel sein, denn solche Vergleiche stellt der Mensch in allen Themenbereichen viel zu gerne an. Das ist jedoch nur eine weitere Sichtweise, die von der heutigen Gesellschaft geprägt wird. Man ist nur für sich selbst verantwortlich und es gibt Menschen, die ein erwachsenes Gesicht einer Frau dem nichtssagendem Ausdruck einer gestylten Jugendlichen vorziehen. Dennoch eifert man einem Ideal hinterher, welches in Wahrheit nicht das eigene ist.

Vergleiche sind genau die Bereiche, in denen man seines eigenen Glückes Schmied ist. Denn besonders bei Oberflächlichkeiten sind die Wettkämpfe mit anderen Menschen immer in einer versteckten Form enthalten. Also warum sich selbst so schwer belasten, wenn man doch durch eine zufriedene Ausstrahlung so viel mehr erreichen kann: wahre Schönheit kommt von innen und ist bei jedem Menschen gleich schön.



Donnerstag, 18. Juni 2009
Die Masse machts ...
Mir ist schleierhaft, woher die unmöglich starre Eigendynamik menschlicher Gruppen kommt. Meine Erfahrung mit einzelnen Menschen ist sehr gut. Selten habe ich mich mit jemanden nicht unter vier Augen unterhalten können.

Nachrichten zeigen mir dennoch immer wieder, dass eine Gruppe von Menschen immer in der Lage ist den IQ eines Menschen auf alle seine Mitglieder zu verteilen, so dass das Verhalten sich immer mehr einer rein triebgesteuerten Lebensform angleicht. Ich werde versuchen hier eine kleine, wie immer persönlich gefärbte, Analyse dieses Effektes durchzuführen.

Viele Menschen haben Probleme mit ihrem Selbstbewusstsein - mich eingeschlossen. Mein Vorteil ist, dass ich mir dessen bewusst bin, reflektieren kann und mich recht schnell am Riemen reiße, sobald ich an mir Eigenschaften einer IQ-Reduktion feststelle. Ich wirke deswegen vielleicht auf Partys wie ein Spielverderber - dafür ist ein Spieleabend großes Kino. Aber über meine Person soll es so früh in diesem Blog nicht gehen.

Gruppe A: Die größte Klasse des Massenmenschen ist darauf aus, möglichst stromlinienförmig mit der Menge zu schwimmen und blos nirgends anzuecken. Jemand macht einen Witz, andere lachen? Ja dann muss ich doch mit machen. Da ist jemand beliebt und hat eine Meinung? Ja, die Meinung habe ich auch, denn ich will von ihm beachtet werden. Noch ein Bier und mir ist schon schlecht? Eines geht noch, sonst bin ich ein Weichei und das war es mit der Akzeptanz.
Diese Leute sind es die ihren Geist abschalten und andere für sich denken lassen. Aber das ist nicht der einzige Grund, denn es gibt noch

Gruppe B: Irgendjemand muss ja mal seine Meinung sagen, und wenn nicht ich, dann bin ich klein und schwach. Ich will wer sein, also muss ich auf den Putz hauen. Wenn andere Leute mich anhimmeln, dann ist mein Ego auch am stärksten, ich lebe von der Anerkennung, welche mir von außen zugetragen wird. Mein Verhalten wird aber nicht von meinen Wünschen allein geprägt, nein, wenn die Masse etwas toll findet, dann tue ich es auch. So ist es mir möglich richtig beliebt zu werden.
Diese Leute sind in der Unterzahl, weil sie dazu auf der mutigen Seite des Selbstbewusstseinsmagels stehen müssen. Das ist seltener - und gefährlicher. Mode ist für sie ein Muss, denn damit sind sie auf der sicheren Seite bei allen anderen Mitläufern. Und je extreme eine Tat, desto mehr Aufmerksamkeit. Also auch hier eine IQ-Reduktion, je mehr Leute beeindruckt werden müssen.

Und dann gibt es noch einige weitere Effekte: Die Masse macht stark und anonym. Man kann sich verstecken und dennoch mehr erreichen als alleine. Das ist verführerisch. Man hat schnell eine gemeinsame Meinung und einen Plan diese durchzusetzen. Das führt dann leider schnell zu undurchdachten Spontanaktionen, die im schlimmsten Fall Schäden verursachen. Von Alkohol rede ich noch gar nicht, der verstärkt diese Effekte noch zusätzlich.

Selbstbewusstsein ist ein trügerischer Begriff, denn er steht für mich nicht für sicheres Auftreten, sondern für die Fähigkeit mit sich selbst immer im Reinen zu sein und Aufmerksamkeit seiner eigenen Person in allen Situationen zu widmen und zu reflektieren. Der Rest kommt dann von selbst.