Mittwoch, 30. September 2009
Alles hat zwei Seiten
Folgendes Gedicht - besser seine Idee - ist etwa 9 Jahre alt. Geschrieben in einer meiner ersten flach-philosophischen Phasen, soll es eine der wichtigsten und ersten Erkenntnisse beschreiben, bevor ich selbst genug erlebt hatte, um zu wissen, wie recht ich doch habe. Da ich aber retrospektiv immer dilletantisch bin (obwohl ich immer ganz scharf nachdenken muss, um meinen Wandel zu erfassen), habe ich hier noch ein wenig nachgefeilt - ohne mich vor meiner vergangenen Naivität zu schämen:


Wenn dunkle Wasser freudig düster schwappen,
Warmer Wind doch schneidend Frische schafft,
Eisig Regen nähret Erd und Quappen,
Strahlend Sonn' mit Brand mich niederrafft.

Wenn schmeidig Tatzen schmerzend Opfer finden,
weiches Fell den Atem schnell erstickt,
Elfenbein kann Tod und Leben finden,
weil Schönheit mit Gewalt besiegt.

Wenn blaue Augen schön verletzend locken,
seidig Haare hart Organe brechen,
sanfte Stimme lässt den Atem stocken,
kleines Lächeln schafft mich zu erstechen.

Man sollte nichts beneiden,
denn alles hat zwei Seiten.


Man sollte es nicht für möglich halten, aber dieses Gedicht habe ich anscheinend für mich selbst geschrieben. Doch erst jetzt bin ich so nahe an die Münze herangetreten, dass ich beide Seiten gleichzeitig sehen kann ... aber so undeutlich, so unglaublich verschwommen.



Mittwoch, 17. Juni 2009
Sicht der Dinge
Täglich sehen wir nur Fläche,
Augen blicken niemals tief,
doch es ist des Menschen Schwäche,
dass er damit nur berechne,
was er sah als er nicht schlief.

Täglich blocken Horizonte,
Augen blicken niemals weit,
denn wo einst der Glauben wohnte,
der Gefühle Weisheit trohnte,
herrscht nur noch der Zahn der Zeit.

Täglich fehlen uns die Farben,
Augen blicken grau in grau,
innerlich wir alle starben,
als wir falschen Wert erwarben,
alles was jetzt gilt ist Schau.