Bildung bringt Not
Folgenden Text habe ich als Glosse für mein Fernstudium Journalistik verfasst. Leider hatte ich nur 2000 Zeichen Platz, sonst hätte ich mich noch viel weiter austoben können ;)

Seien wir doch ehrlich, keiner mag Bildung. Wer sie schon hat, fürchtet die wachsende Konkurrenz, wenn junges Blut aus den neuen Studiengängen kommt. Wer sie nicht hat, schimpft auf die eingebildeten Schnösel, die sich für was Besseres halten und einem die Jobs wegnehmen. Doch abgesehen von diesen sehr subjektiven Meinungen, ist es nicht auch objektiv schlecht, in diesen Zeiten der chaotischen Börsen und verwirrenden Politikern Menschen mit Geist in die Welt zu entlassen?

Menschen, die Übersicht über ihre Finanzen haben und begreifen, was an Derivaten schlecht ist, werden kein neues Geld in den maroden Finanzmarkt pumpen. Wie soll der sich da erholen? Bürger, die verstehen, dass man in der Not vielleicht etwas Geld auf die hohe Kante legen sollten, werden nicht dem schwächelnden Einzelhandel das Wenige vermachen, was die unsicheren Jobs im Kurzarbeits-Modus noch abwerfen. Und die Banken werden keine überteuerten Kredite mehr an Konsumenten mit glitzernden Augen verkaufen können, die mehr auf PS als IQ stehen.

Auch die Medien freuen sich über jeden Bürger, der sich den hohen Einschaltquoten ihrer Daily Soaps anschließt, um sich seine freie Zeit mit schlecht getarnten Kaufempfehlungen zu vertreiben. Würde das Volk sich dieser Tatsache bewusst, wieder wäre der Konsum gefährdet, die einzige Stütze, auf die unser Land noch bauen kann. Und geht es den Menschen selbst nicht sogar besser, wenn sie die Miseren nicht wahrnehmen, wenn sie nicht denken, es könnte einen besseren Weg geben, wenn sie nicht auf die Straßen gehen müssen? Gelebte Demokratie heißt doch auch, den nächsten Deutschen Superstar mitzubestimmen.

Am meisten profitieren jedoch die Politiker. Markige Sprüche, die nicht hinterfragt werden, lassen sich doch viel einfacher im Wahlkampf einsetzen, als durchdachte Strategien, die nicht den politischen Gegner, sondern die sozialen Probleme in Angriff nehmen. Und wer nicht weiß, dass die gewählten Vertreter sich um das Wohl des Volkes kümmern sollten, wird auch nicht merken, dass sich Kandidaten selbst zu Superpolitikern deklassieren. Und so haben einige der letzten gebildeten Spitzenpolitiker erkannt, dass Bildung nur die Not vergrößert. Sparen könne man von Kitas bis Unis - und im Hinterkopf war ihnen bestimmt schon klar, dass man dann zukünftig als Politiker noch weniger (Erklärungs-)Nöte hat.

Glosse - 2000 Zeichen




wie haben die euch denn "glosse" erklärt?

(das war jetzt nicht so herablassend gemeint, wie es vll. klingt, sondern eher interessiert, weil ich unter glosse was anderes verstehe.)

Nimm dir ein tagesaktuelles Thema und verarbeite es sprachlich verspielt und gehörig ironisch. Es handelt sich um eine stark meinungsgefärbte Art des Journalismus und soll am Ende mit einer netten Pointe aufwarten.

Immerhin habe ich eine 1.0 bekommen ;)