Über den Stress nach Ruhe zu suchen ...
Ich bin ein Opfer der schnellen Welt geworden. Die Möglichkeiten sind das Problem, nicht mehr nur eine Chance. Die Zeit, die es gedauert hat, bis wieder ein Eintrag in diesem Blog zustande kam, sei Zeichen genug.
Vieles wird angefangen, oft unter dem Vorwand, auch das sei noch interessant, oder man müsste doch so viel wie möglich kennen und können. Doch irgendwie kommt dabei nur ein Kenner und kein Könner heraus. Überall kann man mitreden, der Smalltalk ist das Paradies des Kenners. Die "Ah"'s und Oh"'s der Anderen sind aber kein Lohn, von dem man Leben kann ... man sollte nicht davon leben müssen. Der Könner ist dagegen gefestigt, denn er hat seine Domäne und kann sich selber Kraft aus seiner Tätigkeit geben.
Und nun habe ich den Salat, mache einen Doktor und einen Studiengang zugleich, setze mich in der Vereinsarbeit ein und weiß nach bald drei Jahrzenten Erdendasein immer noch nicht, wo ich eigentlich hingehöre. Es geht mir nicht schlecht, das ist mir alleine aus Vernunftsgründen schon bewusst, aber so richtig gut geht es auch nicht. Ich habe ja noch nicht mal die Zeit, um in genügend Mußeminuten die Frage zu durchdenken: "Wie geht es mir eigentlich?"
Dann merke ich, dass ich wohl auch der Idealkunde für die Wellness-Mode wäre. Fast schon gezwungen, Entspannung supereffizient zu tätigen und meine Akkus in die Schnellladestation zu stöpseln, ist mir fast jede Sekunde heilig und muss verplant, und mit einem Sinn versehen werden. In der Ruhe läge die Kraft und ich fühle mich total schlapp. Meine Kreativität lässt zu wünschen übrig, ich finde kaum Zeit mich zu sammeln oder Erlebtes zu verarbeiten... sogar diese geschriebenen Absätze sind nur an der Oberfläche gekratzt.
Ich befürchte ich werde erwachsen - im schlechtesten aller Sinne. Sehenden Auges bin ich in die Falle der Vielfalt der Welt getappt. Früher musste man in seinem kleinen Dorf nur um den Laden seiner Eltern und das Überleben kümmern. Dafür sind wir genetisch geschaffen, das ist dem Menschen als eigentlicher Lebenssinn einprogrammiert. Und heute ist er ein Opfer von Strukturen und selbstgeschaffenen Dämonen, die ihm mehr zeigen und geben, als er verdauen kann. Solange bis die Seele platzt.
Adipositas fängt im Kopf an, wenn die Gedanken verfetten. Bulimie ebenso, wenn man z.B. glaubt immer laufen zu müssen, damit man in den Ruhephasen kein Fett zulegt. Der Körper zeigt nur was der Geist an Krankheit hat. Und ich spüre, wie mich beides erlegt, wie die Gedanken sich an einfachen Tätigkeiten ergötzen und ich gleichzeitig unzufrieden nach mehr suche. Wie immer: so kann es nicht weiter gehen. Also suche ich nach Ruhe und Freiden in mir. Und vielleicht suche ich mal nicht zu zwingend und ohne Stress.
thofei am 20. April 10
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