Jedem sein kleiner Kosmos.
Viel ist passiert in letzter Zeit, nicht? Wie soll ich den verwirrten Blick verstehen? Natürlich ist die Welt zerbrochen und hat sich neu zusammengesetzt! Oder nicht?

Manchmal ist es verständlich, wenn ein Mensch nicht in der Lage ist das große Ganze zu überblicken und sein Erleben in Relation eines Alltages zu beschauen, welcher den Otto-Normal-Menschen definiert. Das erklärt dann auch die große Pause, die bis zu diesem Eintrag geführt hat und den geneigten Leser auf eine harte Geduldsprobe gestellt hat. Dafür möchte ich mich entschuldigen und auf ein Werk viel eleganterer Sprache und guter philosophischer Ideen verweisen, welches ich hiermit auch wärmstens Empfehlen möchte: "Die Eleganz des Igels" Doch nun zum eigentlichen:

Unsere Wahrnehmung wird noch oft ein Thema dieser Seite sein, so auch heute. Der Lehm aus dem die Welt gebaut wird, habe ich Erfahrungen und Eindrücke genannt und so verwundert es nicht, wenn jeder einen anderen Lehm benutzt und diesen dazu noch mit der ihm eigenen Kunstfertigkeit in die Ritzen seines Kosmos spachtelt. Solange genügend Toleranz beigemischt ist, wird daraus kein Beton, an welchem sich die Mitmenschen die Zähne ausbeißen und den Schädel einrennen können, ohne dass es Spuren im festgemauerten Weltbild hinterlässt. Dennoch dürfen einige Eckpfeiler eingebaut werden, welche man dann und wann liebevoll als "Persönlichkeit" verpackt einem anderen in den Weg stellen darf.

Manche Philosophien gehen soweit zu sagen, dass es nur einen selbst gibt, und die Existenz anderer Menschen eine Illusion, von unseren Sinnen erschaffen, ist. Doch auch ohne einen solch extremen Standpunkt ist es als Außenstehender immer wieder erstaunlich zu sehen, wenn Personen polarisieren, wenn die Meinungen differieren und sich Streit entfacht ... obwohl die Eindrücke dieselben sein sollten. Begehe ein Verbrechen am besten zwischen drei und fünf Uhr Nachts und alle Zeugen werden sich maximal widersprechen - sagen sogar Studien.

Je älter der Mensch wird, desto selektiver wird seine Sicht der Dinge, wenn er sich nicht um Allgemeinbildung kümmert. Ein Thema, was einem beruflich oder im sonstigen Leben massiv beschäftigt, wird sich automatisch in anderen, thematisch fremden Situationen in den Vordergrund drängen. Deswegen werden z.B. Juristen mit dem Alter pingelig und rechthaberisch. Meine Wenigkeit versucht automatisch Zusammenhänge und Wortspiele zu finden, ohne dass ich groß darüber nachzudenken habe - und auch, wenn es nicht passt. Die Bereiche meines Wissens, in die ich schon viel Zeit investiert habe sind dominant, wenn es darum geht den Typ meines spontanen Denkprozesses zu definieren. Begeht man den Fehler und schottet sich zu sehr von den restlichen Bereichen des Lebens ab, so werden diese verschwinden und im schlimmsten Fall eine Leere in einem zurücklassen, die viele Sterne im eigenen Universum erlöschen lässt.

Leider beobachte ich in unserer Gesellschaft genau diesen Drang: Alle Sinne werden benutzt, um Geld in die Kassen der Wirtschaft zu spülen, und so wird mit IPod's und Parfums, Heimkino und McDonalds der Horizont der Möglichkeiten ganz nahe herangeholt. Viele Menschen verschwinden in ihrem persönlichen schwarzen Loch. Interaktion mit der Welt ist nicht erwünscht und der Ereignishorizont lässt nicht einmal mehr einen einzigen Gedanken hindurch gelangen. Viele sind sich ihrer Entwicklung dorthin nicht bewusst, andere wählen den Weg bei vollem Bewusstsein, weil ihnen die Flut der Reize, die Menge des Neuen zu viel werden könnte.

In diesem Zusammenhang habe ich einen schönen Spruch gelesen, welchen ich leider ohne Quelle nur noch sinngemäß wiedergeben kann: "Die Menschen flüchten sich in die Städte, damit sie nicht mehr damit konfrontiert werden, wie klein sie eigentlich sind." Die Wände aus Stahl und Glas, die den Menschen so mächtig erscheinen lassen sind doch nichts im Vergleich zur großen weiten Welt, in der ein Einzelner so schnell verloren gehen kann.

Ich bin froh so klein zu sein, dass mich mein Leben nie langweilen wird. Denn mein Kosmos übersteigt mein Fassungsvermögen, wächst ständig und lässt mich jeden Tag aufs neue Staunen.