Samstag, 22. Mai 2010
Bildung bringt Not
Folgenden Text habe ich als Glosse für mein Fernstudium Journalistik verfasst. Leider hatte ich nur 2000 Zeichen Platz, sonst hätte ich mich noch viel weiter austoben können ;)

Seien wir doch ehrlich, keiner mag Bildung. Wer sie schon hat, fürchtet die wachsende Konkurrenz, wenn junges Blut aus den neuen Studiengängen kommt. Wer sie nicht hat, schimpft auf die eingebildeten Schnösel, die sich für was Besseres halten und einem die Jobs wegnehmen. Doch abgesehen von diesen sehr subjektiven Meinungen, ist es nicht auch objektiv schlecht, in diesen Zeiten der chaotischen Börsen und verwirrenden Politikern Menschen mit Geist in die Welt zu entlassen?

Menschen, die Übersicht über ihre Finanzen haben und begreifen, was an Derivaten schlecht ist, werden kein neues Geld in den maroden Finanzmarkt pumpen. Wie soll der sich da erholen? Bürger, die verstehen, dass man in der Not vielleicht etwas Geld auf die hohe Kante legen sollten, werden nicht dem schwächelnden Einzelhandel das Wenige vermachen, was die unsicheren Jobs im Kurzarbeits-Modus noch abwerfen. Und die Banken werden keine überteuerten Kredite mehr an Konsumenten mit glitzernden Augen verkaufen können, die mehr auf PS als IQ stehen.

Auch die Medien freuen sich über jeden Bürger, der sich den hohen Einschaltquoten ihrer Daily Soaps anschließt, um sich seine freie Zeit mit schlecht getarnten Kaufempfehlungen zu vertreiben. Würde das Volk sich dieser Tatsache bewusst, wieder wäre der Konsum gefährdet, die einzige Stütze, auf die unser Land noch bauen kann. Und geht es den Menschen selbst nicht sogar besser, wenn sie die Miseren nicht wahrnehmen, wenn sie nicht denken, es könnte einen besseren Weg geben, wenn sie nicht auf die Straßen gehen müssen? Gelebte Demokratie heißt doch auch, den nächsten Deutschen Superstar mitzubestimmen.

Am meisten profitieren jedoch die Politiker. Markige Sprüche, die nicht hinterfragt werden, lassen sich doch viel einfacher im Wahlkampf einsetzen, als durchdachte Strategien, die nicht den politischen Gegner, sondern die sozialen Probleme in Angriff nehmen. Und wer nicht weiß, dass die gewählten Vertreter sich um das Wohl des Volkes kümmern sollten, wird auch nicht merken, dass sich Kandidaten selbst zu Superpolitikern deklassieren. Und so haben einige der letzten gebildeten Spitzenpolitiker erkannt, dass Bildung nur die Not vergrößert. Sparen könne man von Kitas bis Unis - und im Hinterkopf war ihnen bestimmt schon klar, dass man dann zukünftig als Politiker noch weniger (Erklärungs-)Nöte hat.

Glosse - 2000 Zeichen



Dienstag, 20. April 2010
Über den Stress nach Ruhe zu suchen ...
Ich bin ein Opfer der schnellen Welt geworden. Die Möglichkeiten sind das Problem, nicht mehr nur eine Chance. Die Zeit, die es gedauert hat, bis wieder ein Eintrag in diesem Blog zustande kam, sei Zeichen genug.

Vieles wird angefangen, oft unter dem Vorwand, auch das sei noch interessant, oder man müsste doch so viel wie möglich kennen und können. Doch irgendwie kommt dabei nur ein Kenner und kein Könner heraus. Überall kann man mitreden, der Smalltalk ist das Paradies des Kenners. Die "Ah"'s und Oh"'s der Anderen sind aber kein Lohn, von dem man Leben kann ... man sollte nicht davon leben müssen. Der Könner ist dagegen gefestigt, denn er hat seine Domäne und kann sich selber Kraft aus seiner Tätigkeit geben.

Und nun habe ich den Salat, mache einen Doktor und einen Studiengang zugleich, setze mich in der Vereinsarbeit ein und weiß nach bald drei Jahrzenten Erdendasein immer noch nicht, wo ich eigentlich hingehöre. Es geht mir nicht schlecht, das ist mir alleine aus Vernunftsgründen schon bewusst, aber so richtig gut geht es auch nicht. Ich habe ja noch nicht mal die Zeit, um in genügend Mußeminuten die Frage zu durchdenken: "Wie geht es mir eigentlich?"

Dann merke ich, dass ich wohl auch der Idealkunde für die Wellness-Mode wäre. Fast schon gezwungen, Entspannung supereffizient zu tätigen und meine Akkus in die Schnellladestation zu stöpseln, ist mir fast jede Sekunde heilig und muss verplant, und mit einem Sinn versehen werden. In der Ruhe läge die Kraft und ich fühle mich total schlapp. Meine Kreativität lässt zu wünschen übrig, ich finde kaum Zeit mich zu sammeln oder Erlebtes zu verarbeiten... sogar diese geschriebenen Absätze sind nur an der Oberfläche gekratzt.

Ich befürchte ich werde erwachsen - im schlechtesten aller Sinne. Sehenden Auges bin ich in die Falle der Vielfalt der Welt getappt. Früher musste man in seinem kleinen Dorf nur um den Laden seiner Eltern und das Überleben kümmern. Dafür sind wir genetisch geschaffen, das ist dem Menschen als eigentlicher Lebenssinn einprogrammiert. Und heute ist er ein Opfer von Strukturen und selbstgeschaffenen Dämonen, die ihm mehr zeigen und geben, als er verdauen kann. Solange bis die Seele platzt.

Adipositas fängt im Kopf an, wenn die Gedanken verfetten. Bulimie ebenso, wenn man z.B. glaubt immer laufen zu müssen, damit man in den Ruhephasen kein Fett zulegt. Der Körper zeigt nur was der Geist an Krankheit hat. Und ich spüre, wie mich beides erlegt, wie die Gedanken sich an einfachen Tätigkeiten ergötzen und ich gleichzeitig unzufrieden nach mehr suche. Wie immer: so kann es nicht weiter gehen. Also suche ich nach Ruhe und Freiden in mir. Und vielleicht suche ich mal nicht zu zwingend und ohne Stress.



Freitag, 30. Oktober 2009
Aus dem tiefen Tal
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und ich bin ein Mensch. Das hat zur Folge, dass ich mir manchmal einbilde besser als der Rest zu sein (siehe auch Homo comparatus), denn ich sehe gewöhnlich nur die Fehler der Anderen. Aber ich selbst leide ja immer noch an genügend Mängeln, die ich aus Gewohnheit noch nicht mal bemerke. Immerhin: ich kann auch Gutes in der Welt sehr schätzen.

Jeder Mensch hat seine eingefahrenen Denkstrukturen. Das ist von der Natur so angelegt, damit wir im Alltag funktionieren, ohne ständig nachdenken zu müssen, also eigentlich ungeheuer effizient. Dummerweise sind die meisten Menschen heutzutage nicht mit genügend lebenswichtigen Tätigkeiten ausgelastet und so entwickeln sie in Freizeit und Beziehung ebenso die mitunter nervtötende Gabe in einen Trott zu verfallen. Dann kommt irgendwann der Punkt, an dem es so nicht mehr weiter geht. Hier zeigt sich dann, wie flexibel man wirklich sein kann.

Je nach Härte des Schlags ist die Metapher vom Tal häufiger in Gebrauch, ein beliebtes Zitat aus der Bibel, welche ja auch mit Bildern jeden erreichbaren Menschen "mitnehmen" sollte (Psalm 23: Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück). Doch wer hat heute schon noch gottvertrauen ... (falls ja, bitte Kommentar hinterlassen)

Doch hier soll die Metapher ein wenig ausgebaut werden. Dunkel ist's im Tal, denn es ist ein Ort, an dem die Sonne nicht scheint. links und rechts türmen sich die Probleme und verhindern jede Sicht nach draußen, schaffen es, die wärmenden Strahlen zu verbergen. Und wenn es ganz dicke kommt, dann kann man den Unterscheid zwischen Tag und Nacht gar nicht mehr spüren. Man läuft Gefahr, sich daran zu gewöhnen ... oder hört ganz das laufen auf.

Wichtig ist es dann, sich auf sich Selbst zu besinnen. Denn plötzlich hört man mehr, riecht vorher Unerkanntes und fühlt sogar die Temperatur der umgebenden Luft. Das alles, weil die Augen nichts mehr erkennen können, und Visionen nicht mehr strahlen. Wichtig ist es auch den Kopf zu heben, um in neue Richtungen zu blicken. Einem Tal kann man folgen, doch für wie lange steckt man dann im Finst'ren? Und schlimmer noch, während man unbehelligt einen Fuß vor den Anderen setzt, wieviele Gedanken kann man haben, die einen nur tiefer hinein führen. Besser doch, man versucht sich am Aufstieg. Probleme sind da, um sie zu bewältigen. Berge, um bestiegen zu werden. Man ist beschäftigt, kämpft und lernt so seine Möglichkeiten, seine Fähigkeiten kennen. Einfach machen, weniger denken! Und mit den neuen Augen, die sich an die Dunkelheit gewöhnt haben, sieht man mehr. Die anderen Sinne helfen einen den Berg zu erfühlen, zu erkennen und ihn vielleicht ein wenig abzutragen.

Ist man wieder oben auf, werden sich die Augen geblendet abwenden und schon bald ist die Empfindlichkeit hinweg. Der Mensch ist eben nicht dafür geschaffen, ewig und immer zu suchen und hinzusehen. Aber er ist als einziges Wesen in der Lage, sich dessen bewusst zu sein und deswegen seine Aufmerksamkeit zu steuern. Erinnere dich wohl, du Mensch, der du im Tal warst. Schätze das Licht auch, wenn du es hast und nicht erst, wenn es fehlt. Außerdem ist jedes Tal immer auch die Chance auf einen Weg zu einem höheren Berg, den man sonst nicht erreichen könnte.

Die Frage lautet nur: lohnt es sich nach Tälern zu suchen? Muss man sich immer erst der Finsternis stellen? Oder gibt es mit genügend Umsicht einen Weg nach oben, der im Licht bleibt.



Mittwoch, 30. September 2009
Alles hat zwei Seiten
Folgendes Gedicht - besser seine Idee - ist etwa 9 Jahre alt. Geschrieben in einer meiner ersten flach-philosophischen Phasen, soll es eine der wichtigsten und ersten Erkenntnisse beschreiben, bevor ich selbst genug erlebt hatte, um zu wissen, wie recht ich doch habe. Da ich aber retrospektiv immer dilletantisch bin (obwohl ich immer ganz scharf nachdenken muss, um meinen Wandel zu erfassen), habe ich hier noch ein wenig nachgefeilt - ohne mich vor meiner vergangenen Naivität zu schämen:


Wenn dunkle Wasser freudig düster schwappen,
Warmer Wind doch schneidend Frische schafft,
Eisig Regen nähret Erd und Quappen,
Strahlend Sonn' mit Brand mich niederrafft.

Wenn schmeidig Tatzen schmerzend Opfer finden,
weiches Fell den Atem schnell erstickt,
Elfenbein kann Tod und Leben finden,
weil Schönheit mit Gewalt besiegt.

Wenn blaue Augen schön verletzend locken,
seidig Haare hart Organe brechen,
sanfte Stimme lässt den Atem stocken,
kleines Lächeln schafft mich zu erstechen.

Man sollte nichts beneiden,
denn alles hat zwei Seiten.


Man sollte es nicht für möglich halten, aber dieses Gedicht habe ich anscheinend für mich selbst geschrieben. Doch erst jetzt bin ich so nahe an die Münze herangetreten, dass ich beide Seiten gleichzeitig sehen kann ... aber so undeutlich, so unglaublich verschwommen.



Montag, 20. Juli 2009
Jedem sein kleiner Kosmos.
Viel ist passiert in letzter Zeit, nicht? Wie soll ich den verwirrten Blick verstehen? Natürlich ist die Welt zerbrochen und hat sich neu zusammengesetzt! Oder nicht?

Manchmal ist es verständlich, wenn ein Mensch nicht in der Lage ist das große Ganze zu überblicken und sein Erleben in Relation eines Alltages zu beschauen, welcher den Otto-Normal-Menschen definiert. Das erklärt dann auch die große Pause, die bis zu diesem Eintrag geführt hat und den geneigten Leser auf eine harte Geduldsprobe gestellt hat. Dafür möchte ich mich entschuldigen und auf ein Werk viel eleganterer Sprache und guter philosophischer Ideen verweisen, welches ich hiermit auch wärmstens Empfehlen möchte: "Die Eleganz des Igels" Doch nun zum eigentlichen:

Unsere Wahrnehmung wird noch oft ein Thema dieser Seite sein, so auch heute. Der Lehm aus dem die Welt gebaut wird, habe ich Erfahrungen und Eindrücke genannt und so verwundert es nicht, wenn jeder einen anderen Lehm benutzt und diesen dazu noch mit der ihm eigenen Kunstfertigkeit in die Ritzen seines Kosmos spachtelt. Solange genügend Toleranz beigemischt ist, wird daraus kein Beton, an welchem sich die Mitmenschen die Zähne ausbeißen und den Schädel einrennen können, ohne dass es Spuren im festgemauerten Weltbild hinterlässt. Dennoch dürfen einige Eckpfeiler eingebaut werden, welche man dann und wann liebevoll als "Persönlichkeit" verpackt einem anderen in den Weg stellen darf.

Manche Philosophien gehen soweit zu sagen, dass es nur einen selbst gibt, und die Existenz anderer Menschen eine Illusion, von unseren Sinnen erschaffen, ist. Doch auch ohne einen solch extremen Standpunkt ist es als Außenstehender immer wieder erstaunlich zu sehen, wenn Personen polarisieren, wenn die Meinungen differieren und sich Streit entfacht ... obwohl die Eindrücke dieselben sein sollten. Begehe ein Verbrechen am besten zwischen drei und fünf Uhr Nachts und alle Zeugen werden sich maximal widersprechen - sagen sogar Studien.

Je älter der Mensch wird, desto selektiver wird seine Sicht der Dinge, wenn er sich nicht um Allgemeinbildung kümmert. Ein Thema, was einem beruflich oder im sonstigen Leben massiv beschäftigt, wird sich automatisch in anderen, thematisch fremden Situationen in den Vordergrund drängen. Deswegen werden z.B. Juristen mit dem Alter pingelig und rechthaberisch. Meine Wenigkeit versucht automatisch Zusammenhänge und Wortspiele zu finden, ohne dass ich groß darüber nachzudenken habe - und auch, wenn es nicht passt. Die Bereiche meines Wissens, in die ich schon viel Zeit investiert habe sind dominant, wenn es darum geht den Typ meines spontanen Denkprozesses zu definieren. Begeht man den Fehler und schottet sich zu sehr von den restlichen Bereichen des Lebens ab, so werden diese verschwinden und im schlimmsten Fall eine Leere in einem zurücklassen, die viele Sterne im eigenen Universum erlöschen lässt.

Leider beobachte ich in unserer Gesellschaft genau diesen Drang: Alle Sinne werden benutzt, um Geld in die Kassen der Wirtschaft zu spülen, und so wird mit IPod's und Parfums, Heimkino und McDonalds der Horizont der Möglichkeiten ganz nahe herangeholt. Viele Menschen verschwinden in ihrem persönlichen schwarzen Loch. Interaktion mit der Welt ist nicht erwünscht und der Ereignishorizont lässt nicht einmal mehr einen einzigen Gedanken hindurch gelangen. Viele sind sich ihrer Entwicklung dorthin nicht bewusst, andere wählen den Weg bei vollem Bewusstsein, weil ihnen die Flut der Reize, die Menge des Neuen zu viel werden könnte.

In diesem Zusammenhang habe ich einen schönen Spruch gelesen, welchen ich leider ohne Quelle nur noch sinngemäß wiedergeben kann: "Die Menschen flüchten sich in die Städte, damit sie nicht mehr damit konfrontiert werden, wie klein sie eigentlich sind." Die Wände aus Stahl und Glas, die den Menschen so mächtig erscheinen lassen sind doch nichts im Vergleich zur großen weiten Welt, in der ein Einzelner so schnell verloren gehen kann.

Ich bin froh so klein zu sein, dass mich mein Leben nie langweilen wird. Denn mein Kosmos übersteigt mein Fassungsvermögen, wächst ständig und lässt mich jeden Tag aufs neue Staunen.



Dienstag, 7. Juli 2009
Von der Furcht vor der Angst
Gefühle bestimmen unser Leben mehr, als es uns rationalem Wesen, als welche wir heutzutage erzogen werden, lieb ist. Technikliebend und im Glauben an Determinismus ist Unsicherheit der größte unserer Feinde ... und macht uns Angst. Dieses Gefühl, welches sich in Beklemmung, Konzentrationsverlust und Unsicherheit äußert, zieht sich durch das Leben vieler Menschen und macht es für sie ungenießbar. Doch woher kommt das? Gründe finden sich leicht. Im Folgenden soll nur einer aufgeführt werden, welcher sich mitten unter uns befindet und in seiner Allgegenwärtigkeit gerade deswegen entzieht.

Unsere Gesellschaft basiert auf Leistung, oder noch allgemeiner auf Funktionsfähigkeit. Wer nicht einen gewissen Standard erfüllt, und in einer Rolle leben kann, welche in dieser Welt akzeptiert ist, wird schnell zum Außenseiter. Gleichzeitig wird einem durch Film, Fernsehen und den ganzen anderen missbrauchten Medien suggeriert, dass man nur als integrierter Mensch glücklich sein kann. Telenovelas feiern die Anpassung des intelligenten, und nicht auf Äußerlichkeiten bedachten Mauerblümchens an modische Normen und belanglose Beziehungsgeflechte. Und plötzlich steht man selbst vor der Wahl, ob man nun zu seiner Meinung steht, oder doch lieber mit dem Strom schwimmt. Ehe man sich versieht, hat man das Gefühl des Widerstandes und der Reibung an anderen Menschen verlernt, vergessen und somit jede Möglichkeit verloren, sich im Zusammenleben weiterzuentwickeln. Schuld ist die Angst. Schuld ist die Ungewissheit, was mit einem passiert, wenn man sein Schicksal nicht in die Hände der allumfassenden Weisheit der Massen legt. Schuld ist das drohende Gefühl von Unverständnis, Ignoranz, Abneigung und Einsamkeit, mit welchem man nicht umgehen zu können glaubt. Dem geneigten Leser sei versichert, dass es mit wenigen aber dafür echten Freunden mit geistigem Inhalt besser geht. Es geht weniger Zeit verloren, es gibt mehr Intensität und man weiss eher wieder, dass einem das Leben gegeben wurde, um es selbst zu nutzen. Gib es nicht her, denn andere nutzen es nur aus. Es gibt in diesem Leben nur dieses eine.

Angst besteht fast immer aus Unwissenheit. Man kann sie besiegen, indem man die unbestimmte Zukunft nicht als Fluch, sondern als Segen erkennt. Jeder Tag bringt uns etwas Neues, und immer etwas, auf dem sich aufbauen lässt!

Furcht ist ebenfalls ein Resultat des Glaubens an Determinismus. Diesmal ist es jedoch nicht das plötzliche Fehlen ebenjenes, was uns einschränkt, sondern das Wissen um sicher eintreffende Geschehnisse. Furcht hat man immer vor etwas und dieses Etwas hat man entweder schon einmal erlebt, oder man glaubt es sich vorstellen zu können: Schmerz und Verlust.

Gegen unbegründete Furcht gibt es zwei Rezepte: Das erste besteht darin diese zu erkennen! Klingt trivial, benötigt aber die schwer zu erlangende Erkenntnis, dass sich sowohl nichts genau wiederholt, als auch, dass man sich selbst immer verändert, auch wenn man das nicht wahrnimmt. Das bedeutet also, dass man allem, was einen nicht umbringt, eine zweite und dritte Chance geben darf. Genügend zeitlichen Abstand inbegriffen wird sich eine völlig neue Situation ergeben und neues Leben tritt in das alte ein.

Zweitens sollte man sich einen einfachen und gerne belächelten Spruch zu Herzen nehmen: "Was nicht tötet, härtet ab!" Ist eine schlimme Erfahrung durchstanden, wird sie sich beim nächsten Mal nicht mehr so negativ zeigen. Die gesammelten Erfahrungen sind kein Schaden, sondern ein wertvoller Verdienst, erlangt durch die harte Arbeit des Durchleidens. Warum viele Menschen daraus kein Kapital sehen, sondern sich lieber einschränken lassen, ist zwar in der heutugen behütetetn Welt verständlich, aber nicht verbünftig.

Beide Gefühle haben ihre Berechtigung - die Evolution hätte sie dem Menschen ansonsten nicht überlassen, damit er sich jetzt damit herumschlagen kann. Schutz des Lebens zum Fortbestand der Art war die Prämisse in Zeiten, da man lernen musste, dass in dunkeln Höhlen gewöhnlich der Tod lauert. Heutzutage muss sich kaum ein Mensch einer der alten Gefahren stellen, also wieso nutzt man nicht die Chance in den sicheren Zeiten der eigenen Furcht ins Gesicht zu blicken. Lernen kann man davon ungemein viel. Und falls sich doch ein Ernstfall entwickelt, hat man bis dahin vielleicht die Fähigkeit erworben trotz der Furcht zu denken. und wenn man dann die Angst als Furcht vor dem Ungewissen kennenlernt ...

Der Mensch ist sein ganzes Leben lernfähig. Zum Glück kann er auch lernen zu verlernen und Verknüpfungen zu durchtrennen, welcher er früher als Bestandteil seines Lebens gar nicht mehr wahrgenommen hat. Wer sich seiner Furcht vor der Angst bewusst wird, kann ein neues Leben lernen, welches auch heutzutage noch mit Freiheit beschrieben werden kann.



Samstag, 27. Juni 2009
Homo comparatus
Ist es nicht verwunderlich, wie sehr sich der Mensch durch Vergleiche definiert? Komparativ und Superlativ sind ihm die liebsten Formen von Adjektiven. Höher, schneller und weiter - so muss es sein. Und der werte Leser muss wie der Autor wohl zugeben: auch ich habe heute mal wieder verglichen.

Natürlich kann man es sich schön reden, indem der Blickwinkel des Wirtschaftlers eingenommen wird: Ohne das Streben nach mehr, gäbe es keine Entwicklung, keinen steigenden Profit und damit auch keinen wachsenden Wohlstand. Wirklich? Materiell mag er ja recht haben, aber wie sieht es mit der Seele aus?

In einem früheren Eintrag beschrieb ich schon das innere Loch im Menschen. Gefördert wird die Leere im Geist weiterhin durch zu viele Konsumgüter. Um nichts muss man sich kümmern, dreckige Arbeit kommt an den Otto-Normalverbraucher nicht heran und in freien Minuten (und oft genug auch dazwischen) wird jeder Denkprozess multimedial gestört.

Vergleichen ist aber auch selbst ein Zeichen der geistigen Verkümmerung. Menschen, denen es nur um ein "meiner ist größer als deiner" geht, sehen keinen Sinn darin, sich wirklich auf ihr gegenüber enzulassen. Ihr Fokus ist stets auf sich selbst gerichtet. Um alle zu überflügeln, gehen die wichtigen Dinge verloren: Einfühlungsvermögen und Verständnis, Zusammenhalt und Ehrlichkeit.

Ersteres bleibt bei dem Versuch zu Übertrumpfen auf der Strecke, weil sich viel mehr um die Demütigung des Anderen gesorgt wird, als um dessen Empfinden. Die logische Folge ist dann der Verlust des Verständnisses. Erstens sieht man in allem Konkurrenz und zweitens verliert man den Kontakt zu anderen Leben und damit jede Erfahrung mit möglichen anderen Denkstrukturen und Persönlichkeiten. Etwas wie Zusammenhalt lässt sich natürlich als weitere Folge gar nicht erdenken und die heutige Welt, bestehend aus zu vielen Singles, wird ein wenig erklärbarer.

Und wenn es dann tatsächlich mal einen gibt, der besser ist als man selbst, dann kann es sehr schnell passieren, dass Geschichten erlogen und erstunken werden, nur um sich weiterhin überlegen zu fühlen. Über Arroganz will ich hier noch gar kein Wort verlieren.

Nur ein einziger Vergleich sei erlaubt, und der auch nur unter Vorbehalt: mit einem früheren Ich. Heute bin ich klüger als früher und ich bin glücklicher.

Auch dieser Vergleich birgt eine versteckte Gefahr der Selbstzerstörung, die von zu vielen Menschen freimütig genutzt wird. Das Altern wird als Mangel erkannt, denn früher war man doch hübscher. Das soll nur ein Beispiel sein, denn solche Vergleiche stellt der Mensch in allen Themenbereichen viel zu gerne an. Das ist jedoch nur eine weitere Sichtweise, die von der heutigen Gesellschaft geprägt wird. Man ist nur für sich selbst verantwortlich und es gibt Menschen, die ein erwachsenes Gesicht einer Frau dem nichtssagendem Ausdruck einer gestylten Jugendlichen vorziehen. Dennoch eifert man einem Ideal hinterher, welches in Wahrheit nicht das eigene ist.

Vergleiche sind genau die Bereiche, in denen man seines eigenen Glückes Schmied ist. Denn besonders bei Oberflächlichkeiten sind die Wettkämpfe mit anderen Menschen immer in einer versteckten Form enthalten. Also warum sich selbst so schwer belasten, wenn man doch durch eine zufriedene Ausstrahlung so viel mehr erreichen kann: wahre Schönheit kommt von innen und ist bei jedem Menschen gleich schön.



Mittwoch, 24. Juni 2009
Lichtblick
Um 21:54 Uhr verlasse ich das Gebäude und mache mich auf den Weg nach Hause. Die Sonne malt die Wolkenschleier pink an und schafft einen wundervollen Kontrast zum sich verdunkelnden Himmel.

Busse fahren so spät am Tag irgendwie, doch darüber habe ich mir vorher keine Gedanken gemacht. Mein Drahtesel hatte heute gestreikt, um sich ein wenig Rost anzufressen. Die Laptop-Tasche schwingt wie immer etwas störend neben dem Knie. Kurz darauf stelle ich fest, dass meine Erinnerung schon Vergangenheit ist, denn der Busplan wurde verändert. Nicht in drei, sondern vor sechs Minuten hatte der Bus gehalten und mich demnach knapp verpasst - Pech für ihn. Also wandere ich los zu einer anderen Buslinie, denn eigentlich wollte ich ja um 22:15 Uhr das neueste aus der Anstalt erleben. Na gut, auch ich schaue doch etwas fern. Aber heute?

Nächste Haltestelle: diese Möglichkeit ist doch keine, denn der Bus fährt zu dieser Zeit nur noch von der gegenüberliegenden Haltestelle und braucht, da er über ein Dorf fährt, etwa 50 Minuten ... da verlasse ich mich besser auf meine guten Freunde, die Füße. Doch wir (also ich und meine Quanten) geben die Hoffnung nicht auf. Vage erinnere ich mich an einen Schleichweg durch das Wohnheimgelände nebenan und plane mich im zunehmenden Dunkel durch die Büsche zu schlagen und wieder zur ersten Linie zu wandern. Bis ich da bin fährt der letzte Bus für heute. Ich komme an und ... habe ihn nicht verpasst. Nur stelle ich irritiert fest, dass ich plötzlich schon wieder zwölf Minuten warten soll. Ne, meine Sendung geht in 15 Minuten los, also kurzes Grübeln, neue Linie anpeilen und weiter gehts.

Die Laptop-Tasche wandert von Links nach recht, von der Schulter in die Hand. Lange hält sie es nirgends aus, denn ich bin wohl überall recht unbequem. Ich vergreife mich an einer Laterne, als ein Blechmonster keine Anzeichen macht mich per Zebra über den tiefstliegenden Asphalt reiten zu lassen. Wenigstens kreuzt heute Nacht kein Dieb meinen Pfad, denn die Vorfahrt wird mir doch nicht genommen. Einige Schritte weiter stelle ich fest, dass Fernsehen überbewertet wird - nur um mich nicht zu ärgern, dass es schon 22:14 ist. Dennoch bin ich sofort wieder im hier und jetzt, als mir aus der blauen Stunde eine junge Frau entgegenkommt, mit der ich heute früh schon auf den Weg in die Arbeit im Bus stand. Faszinierend und schon wieder weg.

Wieder dauert es 12 Minuten, obwohl es eine dritte Variante öffentlichen Heimkehr gewesen ist, die nicht unversucht geblieben ist. Verschwörung pur. Dank Stechschritt bin ich schon leicht verschwitzt und beschließe die nächste kleine Abkürzung zu nehmen. Doch was ist das? Inzwischen ist es fast ganz dunkel und der Schleichweg in den Park hinter der Litfasssäule ist verschwunden. Wenige Augenblicke später bin ich sicher: überwuchert. Es ist also wahr, die Menschen bevorzugen den einfachen Weg. Ich schiebe mich zwischen Blätter und Äste und versuche den Weg des zweitwenigsten Widerstandes zu gehen und die alte Richtung aus meiner schon wieder hinfälligen Erinnerung zu kramen. Es hilft ein wenig und voller Brün- und Braunzeug darf ich weiter. Ein nächtlicher Spaziergänger traut sich nicht näher an mich ran, als mit verdutzten Blicken möglich ist.

Aus dem Park und zur nächsten Haltestelle. Dort begegne ich einem Prunkstück von Kunstwesen, gefangen zwischen Frau und Mädchen. Sobald ich mich nähere nimmt die Maske eine Maske an und der starre Blick gen Horizont (von wo der Bus kommen sollte) kann dennoch nicht verbergen, dass die Augen Unsicherheit versprühen. Schnell sehe ich, dass die Abkürzung geholfen hat, denn ich bin immer noch zu früh ... und die letzten zwei Haltestellen bevor ich in die Straßenbahn umsteigen müsste schaffe ich auch so. Meine Beine sind seit langem mal wieder richtig gefordert (radeln gilt nicht) und tragen von selbst - was ich von Armen und Schultern nicht behaupten kann. Also überlasse ich das Bushäuschen wieder der Schaufensterpuppe und überlasse mich wieder dem Rythmus meiner Schritte.

Die Straßenbahn würde in acht Minuten kommen, meine Sendung verpasse ich wohl. Wieder geht es weiter vorbei an einem Nachtleben, welches sich unter der Woche von den spärlichen Opfern ernährt, welche es an den Wochenenden gefangen nehmen konnte. Mir wird wieder klar, dass ich es eigentlich richtig gut habe, denn meine Freunde mögen mich auch ohne Gel in den Haaren. Auf der Brücke hechte ich in einem Anfall von Verwegenheit trotz Notebook über das Geländer und überspringe die Tram-Schienen, denn eine Lücke im Verkehr spart mir später eine Ampel. Genau jetzt stelle ich fest, dass ich niemals stehen bleiben musste. Alle Ampeln grün, oder immer eine Pause im Verkehr. Aus Protest gehe ich über die letzte Ampel vor meinem Zuhause, obwohl sie rot ist. Jetzt wo es so gut läuft ...

Ich bekomme noch eine gute viertel Stunde meiner Sendung mit, fühle mich sehr lebendig und bin über 50 Minuten unterwegs gewesen. Trotz der Widrigkeiten bin ich nicht nur zufrieden, sondern sogar glücklich, denn ich habe auf dem Weg 10 Minuten geopfert, in diesen keinen Schritt getan und etwas neues in meiner Stadt entdeckt: Glühwürmchen.



Donnerstag, 18. Juni 2009
Die Masse machts ...
Mir ist schleierhaft, woher die unmöglich starre Eigendynamik menschlicher Gruppen kommt. Meine Erfahrung mit einzelnen Menschen ist sehr gut. Selten habe ich mich mit jemanden nicht unter vier Augen unterhalten können.

Nachrichten zeigen mir dennoch immer wieder, dass eine Gruppe von Menschen immer in der Lage ist den IQ eines Menschen auf alle seine Mitglieder zu verteilen, so dass das Verhalten sich immer mehr einer rein triebgesteuerten Lebensform angleicht. Ich werde versuchen hier eine kleine, wie immer persönlich gefärbte, Analyse dieses Effektes durchzuführen.

Viele Menschen haben Probleme mit ihrem Selbstbewusstsein - mich eingeschlossen. Mein Vorteil ist, dass ich mir dessen bewusst bin, reflektieren kann und mich recht schnell am Riemen reiße, sobald ich an mir Eigenschaften einer IQ-Reduktion feststelle. Ich wirke deswegen vielleicht auf Partys wie ein Spielverderber - dafür ist ein Spieleabend großes Kino. Aber über meine Person soll es so früh in diesem Blog nicht gehen.

Gruppe A: Die größte Klasse des Massenmenschen ist darauf aus, möglichst stromlinienförmig mit der Menge zu schwimmen und blos nirgends anzuecken. Jemand macht einen Witz, andere lachen? Ja dann muss ich doch mit machen. Da ist jemand beliebt und hat eine Meinung? Ja, die Meinung habe ich auch, denn ich will von ihm beachtet werden. Noch ein Bier und mir ist schon schlecht? Eines geht noch, sonst bin ich ein Weichei und das war es mit der Akzeptanz.
Diese Leute sind es die ihren Geist abschalten und andere für sich denken lassen. Aber das ist nicht der einzige Grund, denn es gibt noch

Gruppe B: Irgendjemand muss ja mal seine Meinung sagen, und wenn nicht ich, dann bin ich klein und schwach. Ich will wer sein, also muss ich auf den Putz hauen. Wenn andere Leute mich anhimmeln, dann ist mein Ego auch am stärksten, ich lebe von der Anerkennung, welche mir von außen zugetragen wird. Mein Verhalten wird aber nicht von meinen Wünschen allein geprägt, nein, wenn die Masse etwas toll findet, dann tue ich es auch. So ist es mir möglich richtig beliebt zu werden.
Diese Leute sind in der Unterzahl, weil sie dazu auf der mutigen Seite des Selbstbewusstseinsmagels stehen müssen. Das ist seltener - und gefährlicher. Mode ist für sie ein Muss, denn damit sind sie auf der sicheren Seite bei allen anderen Mitläufern. Und je extreme eine Tat, desto mehr Aufmerksamkeit. Also auch hier eine IQ-Reduktion, je mehr Leute beeindruckt werden müssen.

Und dann gibt es noch einige weitere Effekte: Die Masse macht stark und anonym. Man kann sich verstecken und dennoch mehr erreichen als alleine. Das ist verführerisch. Man hat schnell eine gemeinsame Meinung und einen Plan diese durchzusetzen. Das führt dann leider schnell zu undurchdachten Spontanaktionen, die im schlimmsten Fall Schäden verursachen. Von Alkohol rede ich noch gar nicht, der verstärkt diese Effekte noch zusätzlich.

Selbstbewusstsein ist ein trügerischer Begriff, denn er steht für mich nicht für sicheres Auftreten, sondern für die Fähigkeit mit sich selbst immer im Reinen zu sein und Aufmerksamkeit seiner eigenen Person in allen Situationen zu widmen und zu reflektieren. Der Rest kommt dann von selbst.



Mittwoch, 17. Juni 2009
Sicht der Dinge
Täglich sehen wir nur Fläche,
Augen blicken niemals tief,
doch es ist des Menschen Schwäche,
dass er damit nur berechne,
was er sah als er nicht schlief.

Täglich blocken Horizonte,
Augen blicken niemals weit,
denn wo einst der Glauben wohnte,
der Gefühle Weisheit trohnte,
herrscht nur noch der Zahn der Zeit.

Täglich fehlen uns die Farben,
Augen blicken grau in grau,
innerlich wir alle starben,
als wir falschen Wert erwarben,
alles was jetzt gilt ist Schau.