Wahr(?)nehmung
Platons berühmtes Höhlengleichnis stellt den reflektierenden Menschen vor die Frage: was verpasse ich, da mein Spiegel nur zweidimensional und flach ist? Wie tief ist die Welt und das Leben wirklich?
Die Physik bedient sich inzwischen vieldimensionaler Mathematik, um Vorhersagen über den Lauf der Natur zu machen. Das Verstehen ist darüber leider verloren gegangen. Man kann rechnen und erhält tatsächlich sehr gute Vorhersagen, doch ohne die abstrakte Sprache der Mathematik lässt sich das Wissen nicht mehr vermitteln und die anschaulichen Bilder, die man in popularwissenschaftlichen Zeitschriften findet, sind nur die flache Wahrheit. Mehr als ein leichtes Gefühl für Richtig und Falsch lässt sich nicht mehr erreichen.
Dennoch ist es gut, das es Bilder gibt: die Sinne liefern das Rohmaterial der Gedanken. Sie schaffen den Lehm, aus dem wir unsere Welt bauen. Und ohne eine Vorstellung von etwas zu haben, werden wir es auch nie Glauben oder Akzeptieren: Gott ist ein alter Mann mit Bart, Licht ist Teilchen und Welle zugleich.
Lernen geht am Besten, wenn man schon viele Verknüpfungen hat, an die man das Neue anhängen kann. Sich bewusst Vergleiche zu schaffen hilft. Deswegen ist es meiner Meinung die Aufgabe eines Menschen, der ein möglichst differenziertes Weltbild bauen möchte, sich viele Erfahrungen anzueignen - mit Bewusstsein für den Moment, um keine Details zu verpassen. Das ist mit ein Grund, warum ich die Medien-Hörigkeit und -Sucht in der heutigen Gesellschaft verdamme. Eine flache Welt, in einem kleinen Raumwinkel gepresst, ohne Gefühl, Geruch und Geschmack lässt den Menschen verkümmern.
Wieso ist mein Grün auch das Grün meiner Bekannten? Weil in unserer Gesellschaft dieser Begriff für Frösche und frisches Gras definiert ist. Das heißt noch lange nicht, dass alle Menschen dasselbe sehen. Wie eine Wahrnehmung empfunden wird ist noch Thema aktueller Forschung. Das sollte uns aber einen Grund für mehr Toleranz geben. Es kann und darf mehr als nur eine "richtige" Sicht der Dinge geben, so wie es mehr als einen Typen Mensch gibt.
Zum Schluss noch: Meiner bescheidenen Meinung nach ist der Mensch nicht weit genug entwickelt. Er steckt fest zwischen einem intelligentem Wesen und einem Überlebenskünstler in einer wilden Natur. Er ist es gewohnt Gefahren möglicht schnell und akkurat zu identifizieren - deswegen merkt er sich Schlechtes besser. Außerdem ist er somit auch zu sehr auf Materielles fixiert. Je abstruser ein Gedanke, desto weniger benötigt ihn ein Wesen, welches Jagen und Fliehen können muss. Deswegen ist Technik auch so schön ... es erleichtert das Leben, welches man biologisch in sich verankert hat. Leider kann die heutige Erziehung das so entstehende Loch im Menschen nicht füllen ...
... und Wahrnehmung ist der falsche Begriff. Annehmung wäre vielleicht besser.
thofei am 13. Juni 09
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Peinlicher Kreativitätsklau ...
Das Layout hat sich geändert, aber ich bin es nicht gewesen. Eine gewisse Schuld kann ich mir nicht nehmen lassen, dennoch muss ich gestehen: das ist alles nur geklaut.
Als Feind der Konsumgesellschaft konnte ich es nicht ertragen, dass mir Google Werbung auf meine Seite zwingt. Desweiteren bin ich schon ein wenig darauf bedacht, etwas schön zu präsentieren, sei es durch Sprache oder Layout oder Bild. Zugegeben, noch bin ich nicht recht vertreten durch diese wenigen taubehangenen Moosspitzen (ein Wort mit Doppeldoppelbuchstaben!) - aber ein Anfang ist es. Da muss ich dem Macher (ichichich) ein Lob aussprechen: ein sehr schöner Anfang. Leider muss ich jetzt schon prophezeien, dass ich mich noch einarbeiten werde in die Kunst des Blog-Layoutens. Html wurde schon einmal gelernt. Der Plan ist da, die Vision im Kopf, doch leider bin ich kein Künstler, der seine Gedanken mit wahrer Kunstfertigkeit in Bits und Bytes wandeln kann ... wobei im aktuellen Zeitmagazin wieder einmal sinngemäß zu lesen ist, digitale Medien seien der Kunst Tod. Gibt ein gutes Thema für einen der nächsten Gedankensprünge ...
Heute stattdessen - schließlich ist mir auch das Layout widerfahren - eine nette kleine Episode aus dem Alltag:
Ein kleiner orangener Zettel im Briefkasten hat mich wieder einmal daran erinnert, dass heute etwas schief läuft in der Gesellschaft: es gibt immer weniger Familien, in denen jemand daheim ist, wenn der Postbote arbeitet ... und alle anderen auch. Päckchen von meiner Frau, übers Internet aus dem Ausland an mich gewidmet geschickt. Leider steht die Widmung nicht auf der Abholkarte, sondern nur ihr Nachname - nicht meiner. Jetzt weiss ich auch, das ihr *keine Schleichwerbung*-Account vor unserer Hochzeit entstand. Das Problem ließ sich zur Erheiterung des Postbeamten leicht lösen, indem ich eine Kopie der Heiratsurkunde am Schalter anstelle einer Vollmacht vorlegte.
Das Schöne an dieser Geschichte war die Reaktion des Menschen, als er mir meine Sendung überreichte: "Das sind die kleinen Episoden, die erzählenswert sind." Ich freue mich, wenn es doch noch Menschen gibt, die mit offenen Augen und der Begeisterungsfähigkeit eines Kindes durch die Welt gehen ... ich hoffe mir das erhalten zu können.
thofei am 09. Juni 09
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Themen, die Kategorien werden wollen
Ja, jetzt wird Struktur in das Chaos gebracht, denn auch das Genie erreicht mehr, wenn es seine wertvollen Kapazitäten nicht mit Sortieren und Erinnern von Banalem vergeudet.
Tagtäglich sorgen die Medien dafür, dass sich jeder Mensch in Fluten von Daten ersaufen kann, wenn er denn nur den Hirn-Freitod wählen möchte. Dass die Qualität dieser "Nachrichten" meist sehr niedrig ist, wird wohl kaum einer anzweifeln (man vergleiche nur, wieviele Minuten am Tag Nachrichten kommen, mit den Minuten an "Humbug"). Leider wählen heutzutage sehr viele Menschen gedanklichen Suizid und blubbern ihre Abende vor sich hin, gehirngewaschen vo(r)m Fernseher. Wie sich der Mensch so und anders meiner bescheidenen Meinung nach selbst zu Grunde richtet und sich vom Menschsein entfremdet, wird in der eher kontroversen Kategorie "Selbstmörder Menschheit" betrachtet werden.
Dichtungen, Utopisches und die ein oder andere Kurzgeschichte aus Science Fiction und Fantasy wird sich in der schöngeistigen Kategorie "Buchstaben-Kleckse" finden. Ich verspreche eine sehr bunte Mischung, teilweise auch ältere Werke, deren Kommentierung ich natürlich befürworte.
"Alltag" wird Beobachtungen enthalten, egal aus welchem Themenbereich, die auf jeden Fall mir persönlich widerfahren sind und nicht durch irgendeinen Filter gefärbt wurden oder nur Gedankenspielereien darstellen. Wie schon die Kategorie darüber wird es einen sehr direkten Blick auf meine Art zu denken liefern. Namen oder irgendeine Art von Seelenstriptease wird es aber nicht geben. Alles anonym, zum Denken anregend, nicht zum Ereifern.
Und zu guter Letzt wird es eine Sammlung meiner Ideen oder Erfahrungen unter dem Stichwort "Philosophisches" geben. Aber dieser Begriff wird von mir in der weitest verfügbaren Deutung benutzt ... früher waren ja auch Biologen, Chemiker, ... Naturphilosophen. Und in diesem Sinne werde ich mich bemühen Erkenntnisse, die der Mensch zu trennen versucht, hier doch wieder auf einer Plattform zu verquicken.
Falls sich doch noch etwas ergeben sollte - hier könnt ihr es lesen. Immer und überall freue ich mich über ein wenig Kommunikation, auf gutem Niveau und mit dem Ziel Ideen auszutauschen und aneinander zu wachsen. Auf dass das Bild, welches ich mit meiner Sprache male weder monoton, stereotyp oder trist werde...
thofei am 08. Juni 09
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Wider Gekautes.
Wieso sollte ich meine Pizza mit Messer und Gabel mühseelig aus dem Rondell pfriemeln und Stücke, die meinen Mundraum nicht mal annähernd ausfüllen andächtig kauend auf meine Geschmacksnerven wirken lassen, wenn McDonalds in Frankreich 8% Zuwachs erzielt? Wieso sollte ich mir die Mühe machen und in Manier eines Chemielaboranten exakt abgewogene, fein säuberlich in identische Stücke zerteilte Zutaten gekocht, gesotten, gebacken in stundenlanger Arbeit heulend und schwitzend zu einem 5 Gänge-Menü zu synthetisieren, wenn ich für sechs Euronen satt werde fast ohne kauen zu müssen?
Im Trend liegt es schon, das hektische der Zeit auch auf die Nahrungsaufnahme auszudehnen. Auch ich erwische mich als gestresster Doktorand immer wieder dabei in der Mensa den Anderen beim Speisen zuzusehen, da ich schon mit mehr Schlingen als Essen meinen Teller förmlich leergefegt habe.
Aber der Trend ist des Menschen Feind geworden - davon bin ich überzeugt. Denn wo man sich nicht mehr die Zeit nimmt, die lebenswichtigen Tätigkeiten mit der nötigen Hingabe oder auch nur mit ein wenig Genuß und Gesundheitsbewusstsein auszuführen, da wird das Dasein auf Arbeit oder sogar Stress beschränkt. Leben an sich möchte ich so einen Zustand nicht mehr nennen. Vegetieren klingt für mich auch daneben, denn die achten immerhin noch auf die Art ihrer Nahrung.
Tut Euch was gutes: kocht daheim. Ihr lernt dabei solide Handarbeit zu schätzen, Zeit bewusster wahrzunehmen und sogar Euch selbst zuzuhören. Denn vor dem Herd ist ein guter Platz um die Gedanken schweifen zu lassen ...
thofei am 02. Juni 09
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Herzlich willkommen ...
Dies ist die Möglichkeit meinen Selbstgesprächen zuzuhören und mir dabei das Gefühl zu geben, damit etwas sinniges zu tun. Dies ist eine Sammlung von Gedanken, welche den Eintritt in meine Welt erleichtert. Dies ist der Online-Flyer, um meinen Größenwahn zu propagieren und der Versuch meine Person als richtig wichtig zu verkaufen - und es kostet nur Eure wertvolle Zeit.
Vielleicht kann dieser Blog Euch bereichern, also die gute Anlage darstellen, welche in der heutigen Welt so schwer zu finden ist. Hier wird Wissen angeboten, gemischt mit sinnlosem Synapsenbrei. Die Themen werden beliebig sein und dennoch immer unter der Kategorie "menschlich" zu finden sein.
Anachronismen und Neologismen werden sich hier regelmäßig gute Nacht sagen, ebenso wie Sprichwörter und Zitate und alles andere, was dem Blog seinen gerechtfertigten Namen gibt: Sprachmalerei.
Das Wort ist in der Lage unsere Sinneseindrücke in Gedanken zu fassen, die man weitergeben kann. Je genauer wir hinsehen, desto mehr Schätze werden wir entdecken und umso mehr Wörter werden benötigt um das Gefundene nicht nur adequat zu beschreiben, sondern auch Gefühle und Stimmungen zu transportieren und Menschen teilhaben zu lassen an Freude und Leid und dem restlichen Regenbogen der Emotionen.
In diesem Sinne verbleibe ich: Aufwiederlesen und bis zum nächsten Mal.
thofei am 01. Juni 09
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