Von der Furcht vor der Angst
Gefühle bestimmen unser Leben mehr, als es uns rationalem Wesen, als welche wir heutzutage erzogen werden, lieb ist. Technikliebend und im Glauben an Determinismus ist Unsicherheit der größte unserer Feinde ... und macht uns Angst. Dieses Gefühl, welches sich in Beklemmung, Konzentrationsverlust und Unsicherheit äußert, zieht sich durch das Leben vieler Menschen und macht es für sie ungenießbar. Doch woher kommt das? Gründe finden sich leicht. Im Folgenden soll nur einer aufgeführt werden, welcher sich mitten unter uns befindet und in seiner Allgegenwärtigkeit gerade deswegen entzieht.
Unsere Gesellschaft basiert auf Leistung, oder noch allgemeiner auf Funktionsfähigkeit. Wer nicht einen gewissen Standard erfüllt, und in einer Rolle leben kann, welche in dieser Welt akzeptiert ist, wird schnell zum Außenseiter. Gleichzeitig wird einem durch Film, Fernsehen und den ganzen anderen missbrauchten Medien suggeriert, dass man nur als integrierter Mensch glücklich sein kann. Telenovelas feiern die Anpassung des intelligenten, und nicht auf Äußerlichkeiten bedachten Mauerblümchens an modische Normen und belanglose Beziehungsgeflechte. Und plötzlich steht man selbst vor der Wahl, ob man nun zu seiner Meinung steht, oder doch lieber mit dem Strom schwimmt. Ehe man sich versieht, hat man das Gefühl des Widerstandes und der Reibung an anderen Menschen verlernt, vergessen und somit jede Möglichkeit verloren, sich im Zusammenleben weiterzuentwickeln. Schuld ist die Angst. Schuld ist die Ungewissheit, was mit einem passiert, wenn man sein Schicksal nicht in die Hände der allumfassenden Weisheit der Massen legt. Schuld ist das drohende Gefühl von Unverständnis, Ignoranz, Abneigung und Einsamkeit, mit welchem man nicht umgehen zu können glaubt. Dem geneigten Leser sei versichert, dass es mit wenigen aber dafür echten Freunden mit geistigem Inhalt besser geht. Es geht weniger Zeit verloren, es gibt mehr Intensität und man weiss eher wieder, dass einem das Leben gegeben wurde, um es selbst zu nutzen. Gib es nicht her, denn andere nutzen es nur aus. Es gibt in diesem Leben nur dieses eine.
Angst besteht fast immer aus Unwissenheit. Man kann sie besiegen, indem man die unbestimmte Zukunft nicht als Fluch, sondern als Segen erkennt. Jeder Tag bringt uns etwas Neues, und immer etwas, auf dem sich aufbauen lässt!
Furcht ist ebenfalls ein Resultat des Glaubens an Determinismus. Diesmal ist es jedoch nicht das plötzliche Fehlen ebenjenes, was uns einschränkt, sondern das Wissen um sicher eintreffende Geschehnisse. Furcht hat man immer vor etwas und dieses Etwas hat man entweder schon einmal erlebt, oder man glaubt es sich vorstellen zu können: Schmerz und Verlust.
Gegen unbegründete Furcht gibt es zwei Rezepte: Das erste besteht darin diese zu erkennen! Klingt trivial, benötigt aber die schwer zu erlangende Erkenntnis, dass sich sowohl nichts genau wiederholt, als auch, dass man sich selbst immer verändert, auch wenn man das nicht wahrnimmt. Das bedeutet also, dass man allem, was einen nicht umbringt, eine zweite und dritte Chance geben darf. Genügend zeitlichen Abstand inbegriffen wird sich eine völlig neue Situation ergeben und neues Leben tritt in das alte ein.
Zweitens sollte man sich einen einfachen und gerne belächelten Spruch zu Herzen nehmen: "Was nicht tötet, härtet ab!" Ist eine schlimme Erfahrung durchstanden, wird sie sich beim nächsten Mal nicht mehr so negativ zeigen. Die gesammelten Erfahrungen sind kein Schaden, sondern ein wertvoller Verdienst, erlangt durch die harte Arbeit des Durchleidens. Warum viele Menschen daraus kein Kapital sehen, sondern sich lieber einschränken lassen, ist zwar in der heutugen behütetetn Welt verständlich, aber nicht verbünftig.
Beide Gefühle haben ihre Berechtigung - die Evolution hätte sie dem Menschen ansonsten nicht überlassen, damit er sich jetzt damit herumschlagen kann. Schutz des Lebens zum Fortbestand der Art war die Prämisse in Zeiten, da man lernen musste, dass in dunkeln Höhlen gewöhnlich der Tod lauert. Heutzutage muss sich kaum ein Mensch einer der alten Gefahren stellen, also wieso nutzt man nicht die Chance in den sicheren Zeiten der eigenen Furcht ins Gesicht zu blicken. Lernen kann man davon ungemein viel. Und falls sich doch ein Ernstfall entwickelt, hat man bis dahin vielleicht die Fähigkeit erworben trotz der Furcht zu denken. und wenn man dann die Angst als Furcht vor dem Ungewissen kennenlernt ...
Der Mensch ist sein ganzes Leben lernfähig. Zum Glück kann er auch lernen zu verlernen und Verknüpfungen zu durchtrennen, welcher er früher als Bestandteil seines Lebens gar nicht mehr wahrgenommen hat. Wer sich seiner Furcht vor der Angst bewusst wird, kann ein neues Leben lernen, welches auch heutzutage noch mit Freiheit beschrieben werden kann.
thofei am 07. Juli 09
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