Sorry, you need system administrator rights for that.


Samstag, 27. Juni 2009
Homo comparatus
Ist es nicht verwunderlich, wie sehr sich der Mensch durch Vergleiche definiert? Komparativ und Superlativ sind ihm die liebsten Formen von Adjektiven. Höher, schneller und weiter - so muss es sein. Und der werte Leser muss wie der Autor wohl zugeben: auch ich habe heute mal wieder verglichen.

Natürlich kann man es sich schön reden, indem der Blickwinkel des Wirtschaftlers eingenommen wird: Ohne das Streben nach mehr, gäbe es keine Entwicklung, keinen steigenden Profit und damit auch keinen wachsenden Wohlstand. Wirklich? Materiell mag er ja recht haben, aber wie sieht es mit der Seele aus?

In einem früheren Eintrag beschrieb ich schon das innere Loch im Menschen. Gefördert wird die Leere im Geist weiterhin durch zu viele Konsumgüter. Um nichts muss man sich kümmern, dreckige Arbeit kommt an den Otto-Normalverbraucher nicht heran und in freien Minuten (und oft genug auch dazwischen) wird jeder Denkprozess multimedial gestört.

Vergleichen ist aber auch selbst ein Zeichen der geistigen Verkümmerung. Menschen, denen es nur um ein "meiner ist größer als deiner" geht, sehen keinen Sinn darin, sich wirklich auf ihr gegenüber enzulassen. Ihr Fokus ist stets auf sich selbst gerichtet. Um alle zu überflügeln, gehen die wichtigen Dinge verloren: Einfühlungsvermögen und Verständnis, Zusammenhalt und Ehrlichkeit.

Ersteres bleibt bei dem Versuch zu Übertrumpfen auf der Strecke, weil sich viel mehr um die Demütigung des Anderen gesorgt wird, als um dessen Empfinden. Die logische Folge ist dann der Verlust des Verständnisses. Erstens sieht man in allem Konkurrenz und zweitens verliert man den Kontakt zu anderen Leben und damit jede Erfahrung mit möglichen anderen Denkstrukturen und Persönlichkeiten. Etwas wie Zusammenhalt lässt sich natürlich als weitere Folge gar nicht erdenken und die heutige Welt, bestehend aus zu vielen Singles, wird ein wenig erklärbarer.

Und wenn es dann tatsächlich mal einen gibt, der besser ist als man selbst, dann kann es sehr schnell passieren, dass Geschichten erlogen und erstunken werden, nur um sich weiterhin überlegen zu fühlen. Über Arroganz will ich hier noch gar kein Wort verlieren.

Nur ein einziger Vergleich sei erlaubt, und der auch nur unter Vorbehalt: mit einem früheren Ich. Heute bin ich klüger als früher und ich bin glücklicher.

Auch dieser Vergleich birgt eine versteckte Gefahr der Selbstzerstörung, die von zu vielen Menschen freimütig genutzt wird. Das Altern wird als Mangel erkannt, denn früher war man doch hübscher. Das soll nur ein Beispiel sein, denn solche Vergleiche stellt der Mensch in allen Themenbereichen viel zu gerne an. Das ist jedoch nur eine weitere Sichtweise, die von der heutigen Gesellschaft geprägt wird. Man ist nur für sich selbst verantwortlich und es gibt Menschen, die ein erwachsenes Gesicht einer Frau dem nichtssagendem Ausdruck einer gestylten Jugendlichen vorziehen. Dennoch eifert man einem Ideal hinterher, welches in Wahrheit nicht das eigene ist.

Vergleiche sind genau die Bereiche, in denen man seines eigenen Glückes Schmied ist. Denn besonders bei Oberflächlichkeiten sind die Wettkämpfe mit anderen Menschen immer in einer versteckten Form enthalten. Also warum sich selbst so schwer belasten, wenn man doch durch eine zufriedene Ausstrahlung so viel mehr erreichen kann: wahre Schönheit kommt von innen und ist bei jedem Menschen gleich schön.